Stadthaussaal-Pächter muss gehen
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«Man nimmt uns unsere Existenz», reagiert Rolf Kunz verärgert. Stadtpräsident Martin Graf relativiert, man habe die sechsmonatige Kündigungsfrist grosszügig um zweieinhalb Monate erweitert. Der Pachtvertrag läuft Ende August 2011 nach fünf Jahren aus.
Nicht immer einfach
Beim Pächter des Effretiker Stadthaussaals wirft dies Fragen auf. An der Zufriedenheit der Kunden könne es nicht gelegen haben, ist er überzeugt. Gegenüber dem Vorjahr steigerte sein Unternehmen 2010 den Umsatz um 15 000 Franken. Das entspreche fast zehn Prozent. «Zugegeben», ergänzt er, «die Zusammenarbeit mit dem Kulturforum war nicht immer einfach». Doch dieses machte von zirka 270 Belegungen jährlich lediglich 10 bis 15 Prozent aus.
Der Stadtpräsident beteuert, man sei mit der Arbeit der beiden Kunz zufrieden gewesen, wenngleich auch er bestätigt, dass für das Kulturforum die Ambiance zu wünschen übrig liess. Man könne aber grundsätzlich den Räumlichkeiten keine Opernhausatmosphäre abringen. Trotzdem sei der Stadtrat zum Schluss gekommen, dass die Bereiche Eventmanagement, Gastronomie, Bühnen- und Saaltechnik, in Personalunion ausgeführt, Konfliktpotential bergen.
Ob Gemeindeparlament, kulturelle Veranstaltungen, Verbands- oder Vereinszusammenkünfte - die Belegungen des Effretiker Stadthaussaales sind vielfältig. Tatsache ist, dass die Vermietung allein dem Pächter kein einträgliches Einkommen beschert. Rolf Kunz gibt an, 70 Prozent seines Umsatzes mit dem gastronomischen Teil abzudecken. Ein Blick auf die Internetseite zeigt ein umfangreiches Angebot, Doris Kunz ist ausgebildete Köchin. «Mehrtägige Seminarbelegungen inklusive Mittagessen sind lukrativer als das Neujahrskonzert mit Apéro», verdeutlicht Kunz.
Manager für die Technik
Daran scheiden sich die Geister. Künftig will man einen Eventmanager engagieren, der mit einem Team nur noch die Bereiche Bühne, Technik und Bestuhlung bewirtschaftet. Ob der Volketswiler in diesem System einen Teil übernimmt, ist offen. «Ich möchte meine Selbstständigkeit nicht aufgeben», so Kunz. Für die Verpflegung sollen künftig externe Cateringanbieter herangezogen werden. Der Stadtpräsident denkt an mögliche Synergien mit den Bewirtschaftern des neuen Altersheimsaales oder des künftigen, hoffentlich bald umgebauten Restaurant des Sportzentrums. Weiter ist vorgesehen, die Vereine in Eigenregie wirten zu lassen. Hierin liegt wohl der wesentlichste Grund für die geplante Umstrukturierung, denn offensichtlich ist dies seit Jahren ein grosses Bedürfnis.
Zwei Interessenten
Laut Graf gibt es zwei Interessenten, die demnächst nach den Vorgaben der Stadt ein Konzept einreichen. Bis zu den Sportferien will der Stadtrat entscheiden. Sicher ist, dass die neue Struktur mehr kostet als die alte. Doppelt so hoch dürfte der Betrag aber nicht ausfallen, so Graf. Bisher stellte die Stadt nebst der freien Miete dem Pächter jährlich einen Grundbetrag von 20 000 Franken zur Verfügung. Darin inbegriffen waren 90 städtische Veranstaltungen, jede weitere wurde extra vergütet. «Inklusive Defizitgarantie beliefen sich die jährlichen Kosten auf knapp 40 000 Franken», gibt der Stadtpräsident an. Konditionen, mit denen das Ehepaar Kunz zufrieden war.
Erstellt: 05.01.2011, 09:00 Uhr



